Am letzten Donnerstag hat der Oberbürgermeister unserer netten Kleinstadt den Haushalt für das Jahr 2008 in den Gemeinderat eingebracht. Nach knapp zwei Jahren im Amt scheint es Oberbürgermeister Gerlach tatsächlich zu gelingen, sein Versprechen aus dem Wahlkampf in die Tat umzusetzen und die Finanzen der Stadt in Ordnung zu bringen. Bei einer Verschuldung von rund 60 Millionen Euro (pro Kopf rund 900 €) ist ein Abbau von zwei Millionen nur ein erster, aber bemerkenswerter Schritt in dir richtigem Richtung.

Warum diese glückliche Situation dann gleich wieder zum Verteilen von eher seltsam anmutenden Wohltaten genutzt wird, bleibt bisher das Geheimnis des OB. Über Priorität und Notwendigkeit jeder, speziell zusätzlichen, Ausgabe lässt sich natürlich diskutieren. Warum in einer Stadt, die es sich nichtmal leisten kann alle Straßen in ihrem Stadtgebiet von Schnee freizuräumen, 270.000 Euro zusätzlich für eine hellere Beleuchtung der Innenstadt ausgegeben werden sollen, erklärt sich zumindest nicht auf den ersten Blick. Der OB möchte damit die Attraktivität der Innenstadt erhöhen und mehr Besucher anlocken. Vielleicht sollte er das Geld besser auch für den Schuldenabbau nutzen und noch ein paar Euro für Teebeutel für seinen nächsten Fünf-Uhr-Tee mit den Gemeinderäten abzweigen, dann könnte noch die eine oder andere weniger kostspielige Idee dazukommen. Ich für meinen Teil hatte bisher nicht den Eindruck, dass es nötig wäre Besuchern an der Stadtgrenze Taschenlampen auszuteilen, weil in der Innenstadt totale Finsternis herrscht.

Letztlich bleibt das Geld für eine strahlende City aber ein Detail am Rande der guten Nachricht des Schuldenabbaus. Die wirklich schlechte Nachricht, die den Schuldenabbau von zwei Millionen deutlich in den Schatten stellt, ist eine mittlere Finanzplanung, die für 2009 eine Neuverschuldung von über 11 Millionen Euro vorsieht. Eine Zunahme der Verschuldung in der Größenordnung von 18% in nur einem Jahr ist ein erschreckender Blick in die nähere Zukunft. Da macht der Oberbürgermeister erst einen Schritt vor und dann fünf kräftige Schritte zurück auf seinem Weg, die Finanzen der Stadt bis zum Ende seiner ersten Amtszeit zu ordnen.

Man kann nur hoffen, dass die Mahnung des Stadtkämmerers an die Gemeinderäte, nur aufgrund einer kurzfristigen Verbesserung der Situation nicht übermütig zu werden, nicht ungehört verhallt. Ob diese Mahnung auch beim Oberbürgermeister Martin Gerlach ankommt, lässt sich ja an der Helligkeit der Beleuchtung der Innenstadt im nächsten Jahr ablesen.