Der Strassenverkehr in der Umgebung von Aalen treibt die Versicherungsprämien mit den üblichen Gefahren, die man in so ländlichen Gegenden üblicherweise kennt, nach oben. Wenn man zwischen Esslingen und Stuttgart auf der B10 im Stau steht, wird man von Langeweile und Kohlenmonoxid geschwängerten Rauschwaden gequält, hat aber gute Chancen ans Ziel zu kommen.
Auf einer einsamen und kurvigen Landstraße lauern ganz andere Gefahren. Jederzeit muss man mit überbreiten, dafür komplett unbeleuchteten Mähdreschern und anderen landwirtschaftlichen Großfahrzeugen rechnen, die nur die Vorfahrtsregelung „Wer bremst verliert“ kennen. Vor jeder Kurve muss man sich darauf vorbereiten, dass der Gegenverkehr aus wie wahnsinnig rasenden Mitgliedern des „Golf Jagdgeschwaders“ in ihren tiefergelegten Oldtimern aus Opel-Produktion besteht. Bei Teilen der gegnerischen Fraktion hat man immerhin die Chance, dass die CD vom letzten Treffen „Wörthersee 2006 forever“ so laut aufgedreht ist, dass man bereits mehrere Kilometer vorher gewarnt ist. Dazwischen flitzen dann noch diese vollkommen uniform aussehenden Tuningschleudern herum (tiefergelegt, alles in einer selbst für übergroße Damenschlüpfer zu hässlichen Pastellfarbe, winzige Räder mit Waschtrommelfelgen, alles meistens auf Basis eines zehn Jahre alten Twingo), deren bastelnde Fahrer besonders stolz auf ihre immer gleiche „Individualität“ sind. Da sind die fahrenden Hindernisse mit Hut, die man hier tatsächlich in freier Wildbahn antreffen kann, fast schon eine Erholung. Allerdings vermute ich bei dieser Kategorie eine großangelegte Verschwörung. Je eiliger man es hat, desto mehr von diesen rollenden Straßenblockaden sind unterwegs, es muss da irgendeine Geheimorganisation geben, die das koordiniert.
In diesem Umfeld wundert es kaum, dass alle Stammtische Verkehrsexperten der felsenfesten Überzeugung sind, an allem Unheil auf den Straßen sind die „jungen Raser“ schuld. Dabei scheint es einen direkten Zusammenhang zwischen steigendem Durchnschnittsalter und Aggressivität der vorgetragenen Behauptung zu geben. Aber keine Sorge, auch den Gegenbeweis liefert die Altersgruppe der nicht älteren Verkehrsbesserwisser gleich mit. Ein Blick in den Polizeibericht vom 20. November in Aalen reicht aus. Eine 76-jährige missachtet beim Einbiegen in die Bundesstraße bei Affalterried die Vorfahrt und kollidiert mit einem anderen Fahrzeug. Geschätzter Schaden 3000 €. Nach der Unfallaufnahme auf einem nahegelegenen Parkplatz fuhr die Dame vor den Augen der Polizeit zurück auf die Bundesstraße, ignorierte wieder jegliche Vorfahrtsregelungen und kollidierte mit einem aus Richtung Bopfingen kommenden Fahrzeug. Geschätzter Schaden 5000 €. Die Polizei hat ihr dann zur Vermeidung der zu erwartenden Unfälle das Weiterfahren untersagt. Die Polizei, dein Freund und Helfer!
November 23, 2007 at 3:16
[...] | Tags: frisiert, Polizei, Roller, Schwäbisch Gmünd, Verkehrskontrolle | In der Aufzählung der Gefahren des ländlichen Strassenverkehrs habe ich doch glatt eine Gruppe vergessen. Da das Ausgrenzen [...]