Bei aller erfreuten Überraschung über die Höhe der Empörungswelle zur Absage des Konzerts von Elton John in Aalen schien diese Welle nach einigen Tagen erwartungsgemäß auch wieder abgeebt zu sein. Wirklich überraschen konnte der Vorgang kaum, wenn man das Leben in der Kleinstadt Aalen über die Jahre etwas beobachtet hat.
Ein Interview in einer Lokalzeitung (Aalener Nachrichten 14.11.07) mit einem erfahrenen Konzertveranstalter aus der Region hat dann allerdings ein ganz neues Licht auf diesen Vorgang geworfen. Offensichtlich war die Absage an Elton John kein Einzelfall aus der Kategorie Peinlichkeiten, sondern nur das letzte Glied in einer ganzen Kette von abgesagten Konzerten. Genannt wurden
Anastascia 2005, Sting, Bryan Adams, und Annie Lennox 2005 oder im letzten Jahr Depeche Mode und Tokio Hotel.
Man kann sicher nicht jedes nicht zustandegekommene Konzert der Stadtverwaltung anlasten, erschreckend ist diese Auflistung allemal. Dazu passt auch, dass eine Anfrage derselben Lokalzeitung bei der für Deutschland zuständigen Konzertagentur die konkreten Planungen für das Konzert von Elton John bestätigten. Offensichtlich zeigt die Behauptung des Oberbürgermeisters Martin Gerlach, das Konzert sei nie ernsthaft geplant gewesen, sondern es habe sich dabei um ein Inszenierung des Konzertveranstalters zur Blossstellung der Stadt Aalen gehandelt, eine zumindest eigenwillige Interpretation dieser Vorgänge.
Da hofft man ja fast, dass dieses serienweise Absagen von Konzertanfragen für das „städtische“ Waldstadion nur auf die Unlust einiger Verwaltungsbeamte zurückgeht. Andernfalls müsste man vermuten, dass die Einwohner von Aalen jahrelang über die Verwendung von Steuergeldern hinsichtlich des Kaufs, des Ausbaus und des Betriebs des Waldstadions hinters Licht geführt wurden und es sich eben doch um eine reichlich teure einseitige Unterstützung des VFR Aalen handelte. Vielleicht steigt der VFR zum Ende dieser Saison, nach jahrelangem vergeblichen Hoffen, wirklich in die zweite Bundesliga auf, dann wäre mit dem Geld wenigstens etwas erreicht worden, wenn es schon nicht den Einwohnern von Aalen zu Gute kam.