Man könnte ja fast ein klein wenig Mitleid mit unserem Oberbürgermeister Martin Gerlach bekommen, wenn man die Flutwelle erboster Leserbriefe sieht, die sich mit Häme und Spott, mit Wut und Ärger über ihn und seine scheinbar etwas planlose Stadtverwaltung ergiesst. Aber eben nur fast.
Wenn man sich daran erinnert, dass die entlarvendste Reaktion des Oberbürgermeisters auf das erste Aufbranden der Verärgerung darin bestand, mit einer gewissen Selbstgefälligkeit die Angelegenheit beiseite wischen zu wollen, in dem er den Konzertveranstalter als Lügner hinstellte und behauptet, es hätte keine echte Zusage von Elton John bestanden (nachzulesen in der Schwäbischen Post vom 06.11. und 07.11.) verschwindet das aufkeimende Verständnis wieder. Vielleicht war diese vermeintliche Reaktion aber auch die ursprüngliche Fehleinschätzung? Hat der Oberbürgermeister in seiner besonderen Sicht der Dinge von Anfang an die Zusagen bezweifelt und daher nie ernsthaft mit dem Konzertveranstalter verhandelt? Hat sich aus diesem Grund die Stadtverwaltung nie ernsthaft um eine Lösung des angeblichen Wurzelpilzproblems bemüht, etwa beim DFB eine Anpassung des Spielplans zur längeren Graswurzelregeneration angefragt? Selbst, wenn tatsächlich ernsthafte Zweifel an der Zusage bestanden, hätte man von Seite der Stadt Aalen alles tun müssen, das Konzert zu ermöglichen, und sei es nur um die jetzt eingetretene Situation zu vermeiden und als provinzieller Blockierer dazustehen.
Über Elton John hinaus bleibt im Kern der Eindruck einer Stadtverwaltung und ihres Oberhaupts zurück, die den Stimmungen in der Bevölkerung mit Gleichgültigkeit und allem, das die tägliche Ruhe stört mit offensiver Herablassung begegnet.
Gekrönt wird diese Haltung in der Pressemitteilung der Stadt Aalen mit dem Hinweis auf das mögliche finanzielle Risiko. Im Lichte der Tatsache, dass bei der indirekten Alimentierung des VFR Aalens über das theoretisch städtische, in Wahrheit aber nahezu exklusiv dem VFR zur Verfügung stehende, Waldstadion diese Bedenken nie bestanden, erscheint das als dreiste Heuchelei.