Seit Jahren unterstützt die Stadt Aalen zwei ausgewählte Sportvereine direkt oder indirekt über die Stadtwerke mit erheblichem finanziellen Aufwand. Begründet wird dieser Einsatz mit den besonderen Erfolgen dieser beiden Vereine und dem damit angeblich verbundenen Imagegewinn für die Stadt und ihre Einwohner, die diesen Einsatz letztlich ja auch finanzieren. Während sich die Stadtwerke mit dem Geld ihrer Gebührenzahler ein Sponsoring des mehrfachen Deutschen Mannschaftsmeisters im Ringen gönnen, dessen Werbezweck für dieses Unternehmen zumindest zweifelhaft sein dürfte, konzentriert sich die Stadt Aalen auf den Fussball-Regionalligisten VFR Aalen.

Erst wurde dem Verein ein marodes Stadion abgekauft, dann das jetzt städtische Waldstadion mit großem Aufwand saniert. Der Einsatz aus den Steuergeldern der Einwohner der Stadt Aalen wurde vom damaligen Oberbürgermeister Ulrich Pfeifle stets damit gerechtefertig, dass es sich schliesslich nicht um ein Stadion allein für den VFR Aalen handele, sondern um ein Kulturstadion für eine angebliche Vielzahl an Veranstaltungen, also um eine Investition für alle Bürger.

Dieses Kulturstadion hat seither eine handvoll Veranstaltungen erlebt, einschliesslich eines Konzerts von Herbert Grönemeyer. Allerdings steht für derartige Veranstaltungen gerade mal ein Zeitfenster von etwa sechs Wochen im Jahr zur Verfügung. Den kläglichen Rest von 48 Wochen geniesst der VFR Aalen totalen Vorrang. Das ist auch verständlich, denn auch diese Saison, wie in den Jahren davor, steigt der VFR Aalen vielleicht in die zweite Bundesliga auf.

In dieser Situation hat der Konzertveranstalter Rolf Weinmann etwas erreicht, was die leidliche Ruhe des permanenten Imagegewinns für alle Bürger durch städtisch unterstützten Regionalligafussball gestört hat. Es ist ihm nach längeren Verhandlungen gelungen, eine Zusage für ein Open-air-Konzert von Elton John in Aalen zu bekommen. Für eine Abdeckung des Rasens durch eine Spezialfirma war auch noch gesorgt, schliesslich will der VFR demnächst aufsteigen und braucht einen anständigen Fussballrasen. In Städten wie Stuttgart, Hamburg oder Gelsenkirchen war mit einer derartigen Abdeckung nach wenigen Tagen ein regulärer Spielbetrieb möglich. Den Leiter des Grünflächenamtes interessierte das herzlich wenig, die Wurzeln des Rasens seien vom Pilz befallen, eine längere Regenerationsphase sein nötig. Der Oberbürgermeister Martin Gerlach zeigt sich ebenfalls unbeeindruckt von der Möglichkeit eines Konzerts von Elton John und bescheidet dem Herrn aus England, er könne ja ein ander mal nach Aalen kommen. Gleichzeitig verkündet er, dass Herbert Grönemeyer mal wieder nach Aalen kommt, der war etwas Rücksichtsvoller gegenüber den Terminplänen und dem Rasen des Regionalligisten.

Es drängt sich der Eindruck auf, die Stadtverwaltung habe mit beiden Konzertveranstaltern parallel verhandelt um sich alle Möglichkeiten offen zu halten und dann die Kontrolle über dieses Spielchen verloren. Warum in dieser Situation nicht beide Konzerte möglich waren oder welcher anderen Antrieb hinter diesem Verhalten steckt bleibt ein Geheimnis. Jetzt hat man einen Veranstalter für seine Bemühungen vor den Kopf gestossen und mit der kurzfristigen Absage auch jede zukünftige Chance verbaut. Da fällt es kaum noch ins Gewicht, dass der OB die Glaubwürdigkeit des Konzertveranstalters öffentlich in Zweifel zieht und die Ernsthaftigkeit der Zusage von Elton John in Frage stellt.

Immerhin ist damit wieder sehr deutlich geworden, wie die Sache mit dem Kulturstadion zu verstehen war, für das die Steuergelder geflossen sind. Wer braucht schon Elton John in Aalen, wenn die Graswurzeln Pilz haben und für den Imagegewinn ein drittklassiger Fussballverein sorgt. Na wenigstens ist das Konzert von Herber Grönemeyer für die Graswurzeln unschädlich.